Scheitern in der Wissenschaft: „Irgendwann habe ich mich gefragt: Liegt es an mir?“

Außenansicht der Universität Wien mit dunklem, grauem Himmel
Universität Wien - Ort der Forschung, Ort des Scheiterns? © Franz Jachim CC BY-NC-ND 2.0

Befristete Verträge, zahlreiche Überstunden und unsichere Zukunftsaussichten. Prekäre Arbeitsbedingungen zählen für Personen in der Wissenschaft zum beruflichen Alltag. Doch wie wirkt sich das auf die Schicksale von einzelnen Mitarbeitenden aus, und was bedeutet es eigentlich zu scheitern? 

von Lisa Eggenbauer und Alexandra Klammer

Als Stefan Ossmann über das Scheitern spricht, tut er das ruhig, fast nüchtern. Dabei sind die Dinge, von denen er erzählt, alles andere als leicht. Ossmann hat an der Universität Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaften sowie Internationale Beziehungen studiert. Er promovierte, publiziert und lehrt. Ein klassischer akademischer Lebenslauf, zumindest auf den ersten Blick. Doch hinter dieser Fassade liegen Jahre der Unsicherheit, der Ablehnungen und des Zweifelns.

Sexualitäts - und Beziehungsforschung. Stefan Ossmanns Themengebite liegen abseits des Mainstreams.  ©Jolanda Hoffmann
Sexualitäts – und Beziehungsforschung. Stefan Ossmanns Themengebiete liegen abseits des Mainstreams. © Jolanda Hoffmann

„Wenn man Wissenschaft im klassischen Sinn betreibt, ist das unausgesprochene Ziel fast immer eine Professur“, sagt Ossmann. Alles davor, Doktorat oder Postdoc, seien bloß Durchgangsstationen. Wer diesen Weg nicht bis zum Ende geht, gilt im System als gescheitert. Und das betrifft die Mehrheit der wissenschaftlichen Mitarbeitenden. Nicht, weil es an Qualifikation mangelt, sondern weil es zu wenige Stellen gibt.

Ossmanns eigener Weg war nie geradlinig. Er kommt aus einer Arbeiter*innenfamilie, beginnt erst spät zu studieren. Er legt Pausen ein, absolviert Zivildienst und verbringt Zeit im Ausland. Als er sich auf Predoc-Stellen bewirbt, ist er für viele Programme bereits „zu alt“. Sein Forschungsschwerpunkt, Sexualitäts- und Beziehungsforschung, liegt abseits des Mainstreams. Wenige Betreuende, wenig Geld und ideologische Vorbehalte. In einem Zeitraum von eineinhalb Jahren erhält er acht Absagen für seine Forschungsvorhaben.

„Am Anfang ist es fast noch witzig“, erklärt der Wissenschaftler. „Aber irgendwann wird es mühsam – emotional und finanziell.“ Nebenbei unterrichtet er und lebt von Ersparnissen. Mit jeder weiteren Absage wächst der Zweifel an den eigenen Fähigkeiten und am eigenen Wert. „Irgendwann habe ich mich gefragt. Liegt es an mir?”, sagt Ossmann. Der neunte Förderantrag war schließlich der letzte, den er sich leisten konnte. Ausgerechnet dieser wurde bewilligt. 

Eine individuelle Erfahrung, ein strukturelles Problem

Scheitern gehört in der Wissenschaft zum Alltag. Das belegen auch die Zahlen: 2024 finanzierte der Österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) 683 Projekte. Eingereicht wurden jedoch rund 2800 Anträge. Das entspricht einer Bewilligungsquote von unter 25 Prozent. 

Hinzu kommen prekäre Arbeitsbedingungen. Befristete Verträge, unbezahlte Überstunden und hoher Publikationsdruck prägen den Alltag vieler wissenschaftlicher Mitarbeiter*innen. Eine Studie des Netzwerks Unterbau Wissenschaft zeigt, dass Unsicherheiten im Anstellungsverhältnis weit verbreitet sind und Forschende teils daran hindern, überhaupt Förderanträge zu stellen.

International bestätigen ähnliche Befunde die Problemlage. Eine globale Umfrage unter 6300 PhD-Studierenden aus dem Jahr 2019 zeigt, dass ein Viertel bereits Mobbing erlebt hat. Jede*r Fünfte hatte Erfahrungen mit Diskriminierung oder Belästigung. Ebenso wird aufgezeigt, dass Depressionen und Angststörungen in der wissenschaftlichen Community weit verbreitet sind.

Was Scheitern mit Menschen macht

Ablehnungen können sich wie Urteile über die eigene Person anfühlen. „Bei der fünften oder sechsten Absage beginnt man, an sich selbst zu zweifeln“, sagt Ossmann. Um damit umzugehen, entwickelte er eigene Strategien. Abstand nehmen, Sport treiben, Ordnung schaffen. Entscheidend ist, Ablehnungen nicht als Aussage über den eigenen Wert als Mensch zu verstehen.

„Scheitern ist zunächst eine Kränkung“ – Theo Wehner

Theo Wehner, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie, ordnet diese Erfahrungen ein: „Scheitern ist zunächst eine Kränkung.“ Die erste Reaktion ist emotional: Enttäuschung, Frustration, Stress. Lernen könne erst beginnen, wenn das Scheitern akzeptiert werde und genau das sei besonders schwierig.

Dass einige Menschen besser mit Scheitern umgehen als andere, erklärt Wehner durch den Umgang mit dem Unerwarteten.  „Die einen erleben es als Enttäuschung, während andere dem eher mit Staunen begegnen“, so der Psychologe. Gerade aus diesem Staunen entstehe Lernpotenzial. Im Umgang mit Menschen, die sich als gescheitert empfinden, ist vor allem Zurückhaltung wichtig: Nicht zu bewerten, sondern zuzuhören, ist im Extremfall entscheidend.

Transkript der Episode

0:00

Sprecher*in 1

Radio von Arlberg Focus

0:03

Sprecher*in 2

Themen fürs Leben mit Pohloch Fabian.

0:08

Sprecher*in 3

Willkommen bei FOCUS.

In unserer Leistungsgesellschaft zählt nur der Erfolg, das Scheitern ist verpönt, dabei scheitern Menschen ständig.

Eine misslungene Prüfung, eine Beziehung, die zerbricht, eine Firmenidee, die floppt, manche Fehler sind banal, andere dramatisch, es macht beispielsweise einen Unterschied, ob ein Filmregisseur einen Fehler begeht oder ein Anästhesist.

0:31

Sprecher*in 1

Das ist die 9.

Häufigste Todesursache im Jahr 2000 noch gewesen an.

Einem medizinischen Fehler zu sterben.

Der Volksmund ist hart mit den Medizinern, die Fehler der Ärzte bedeckt man mit Erde.

0:49

Im Film Es gibt weltweit eine Community, die sammelt und schaut.

Welche Fehler werden in Filmen dokumentiert.

Diese ganzen römischen Sandalen, Filme, da weiß man, dass es.

In Ben Hur trug jemanden digitaluhr und ich glaube, bei in welchem spartacus kam jemand mit Klettverschluss?

1:11

Sprecher*in 3

Das zeigt unser heutiger Referent Professor Theo Wehner von der ETH Zürich.

Tu Wien ist Soziologe, Psychologe und Arbeitswissenschaftler.

Einer seiner Schwerpunkte ist die psychologische Fehler und Sicherheitsforschung wichtig ist, aus Fehlern zu lernen.

1:28

Frauen tun sich da offenbar leichter, nach dem Motto zu leben, Hinfallen, Aufstehen, Krone richten, weitergehen, Männer flüchten sich hingegen mitunter sogar in den Suizid, weil sie das Scheitern als persönliche Kränkung empfinden dabei.

Sollte klar sein, nur wer handelt, kann sich irren und Fehler begehen.

1:47

Der emeritierte Professor für Arbeits und Organisationspsychologie, Theo Wehner, hält deshalb heute ein Plädoyer für eine Kultur des Scheiterns, eine fehlerfrei funktionierende Gesellschaft sei jedenfalls nicht erstrebenswert.

Der Titel des Referats, Das Professor Theo Wehner beim Montagsforum in St.

2:06

Gallen gehalten hat, lautet es kommt.

Drauf an, was man aus Fehlern, Irrtümern und Scheitererfahrungen macht und nicht, wer sie macht.

2:14

Sprecher*in 1

Ich bin gerne hierhergekommen von der Ethik und muss etwas zum Titel sagen.

Ein Psycho würde man ja eigentlich denken.

Dass er sich um jenen Kümmert, der gescheitert ist, der den Fehler gemacht hat.

2:29

Dieser Titel will, aber, das war erwähnt, eher ne soziologische Perspektive, ne Organisationswissenschaftliche einnehmen.

Es kommt nicht so, sagt der Titel darauf an, werden Fehler macht.

Es kommt darauf an, was wir.

2:46

Und damit nicht nur der Verursacher.

Was wir damit machen, die Tabuisierung des Scheiterns ist weniger durch die gescheiterten Geschehen als durch die Gesellschaft.

Scheiterhaufen war ne gesellschaftliche Errungenschaft der von Social Media ist es erst recht.

3:07

Von daher weiche ich sozusagen von meiner psychologischen Ausrichtung ein Stück ab, auch zumindest im Titel, auch wenn es immer wieder vorkommt, wenn ich zusammenfassen müsste, und das habe ich mir in der Universität so angewöhnt, dass die Zusammenfassung des Prüfungsrelevanten Stoffs ganz am Anfang ist, dann haben die studierenden Zeit, was anderes zu tun, und ich kann über was anderes nachdenken, weil das Wichtigste schon gemacht ist.

3:35

Was ist es, was man daraus machen kann?

In den Organisationswissenschaften hat man den Ansatz, Mensch, Technik und Organisation, man kann auf der Ebene des Individuums etwas machen, wenn man gescheiterte.

3:50

Das ist schwierig.

Ein menschliches Verhalten zu ändern, ist wesentlich schwieriger, als eventuell die Technik, die mit Verursachend war.

Bei dem Scheitern, bei dem Fehler, bei dem Misslingen oder auch die Organisation.

Und das ist eigentlich der Grundgedanke, dass man auf dieser Ebene versucht zu intervenieren, dort, wo auch die Gemeinschaft mit aufgerufen ist, wo Technikerinnen und Techniker mit in die Verantwortung kommen für das, was da gescheitert ist oder auch organisationswissenschaftler, wenn man dann doch das Wehr noch ein wenig betrachten will.

4:31

Dann habe ich von Hölderlin, das ist eine schöne Passage, also in Tübingen im Turm saß, geschrieben, ich glaube, dass die Ungeduld, mit der man seinem Ziele zueilt die Klippe ist, an der gerade oft die besten Menschen scheitern, das hat er dann ausgeführt, was Ungeduld sein könnte, eigentlich.

4:54

Relativ philosophisch, wenig lyrisch war das, und wenn ich das heute umsetzen müsste, dann würde ich sagen, ja.

Wer scheitert?

Produziert einiges von dem von diesen 3 Inhalten, die ich nicht sehr vertiefen will.

5:12

Es führt der unrealistische Optimismus.

Ins Scheitern.

Und Optimismus.

Hoffnung wäre wichtiger als Optimismus übrigens, aber das ist auch nur nebenbei.

Es ist dieser unrealistische Optimismus, dem wir, gerade wenn es in die Richtung des Scheiterns geht, folgen, also nicht dem Pessimismus, das könnte uns vielleicht noch zum Abbiegen veranlassen, es ist ein eskalierendes Commitment häufig beteiligt, ich habe viele Personen interviewt, die gescheitert sind in Firmengründungen.

5:46

Etc etc.

Und dort gibt es eine Phase, wo man schon Commitment für seine Sache hat, für seine Idee.

Und sagt sich ständig, ich hab jetzt schon so viel investiert, dieses mach ich jetzt auch noch und das mach ich dann auch noch und die Bank ist dann meistens die.

6:04

Das eskalierende Commitment unterbricht und das letzte der letzte Punkt, der ist eigentlich bei allen dabei.

Wir sind in der Lage und das Wünsche ich Ihnen natürlich in Übermaß doch auch selbstwertdienliche Aussagen über uns selbst zu machen, vielleicht nicht über die Nachbarn, aber zumindest über uns haben wir doch ne sehr selbstwertdienliche.

6:29

Äußerungsmöglichkeit und die nutzt gerade der Scheiternde im Scheitern, also er ist der, er ist nicht der erste, der sieht, dass hier was scheitert.

Ja, soweit zum Titel und soweit zu dem, was man zusammenfassen will.

6:46

Und wenn sie nun doch vermuten, dass sie eigentlich zu denen gehören, die immer scheitern.

Dann Henry Michon, ein Belgier, ein Surrealist, ein Maler, eigentlich ein toller Maler.

7:03

Der dacht, wenn du einen zum Scheitern berufener bist, dann scheitere vor allen Dingen nicht irgendwie.

Das werde ich zum Schluss noch mal aufnehmen.

Es scheint mir wichtig zu sein, dass wenn man schon scheitert, dann nicht einfach irgendwie.

7:19

Sprecher*in 3

Bei uns geht es heute also gewissermaßen um Verlierer und tragische Helden.

Das Scheitern und Fehler machen war oft auch Gegenstand in der Literatur.

Professor Theo Wehner bringt weitere Beispiele, etwa von Robert Walser.

7:33

Sprecher*in 1

War also hat ebenfalls eine lange Passage geschrieben über das Scheitern, über das Fehler machen und beginnt eine Passage mit dem Satz sind nicht gerade die Fehler, die wie Wegweiser in die Richtung des Verstehens hindeuten, das Leuchtende in einem Menschenleben, also damit produktiv umzugehen, Liebe?

7:56

Voll umzugehen, vielleicht auch heiter.

Das ist eine, ja, das ist eine Provokation für das, was eigentlich das Scheitern in uns emotional auslöst.

Aber man kann mit Emotionen ja auch gut umgehen.

8:12

N zweiter Nachbarland.

Jandl, ein experimenteller Lyriker.

Ein sehr sehr schönes sehr sehr schön Vierzeiler gemacht, überschrieben mit Lichtung.

Eigentlich kann nur Jandl Jandl Gedichte vortragen, aber dieses habe ich geübt.

8:34

Lichtung manche meinen, Lechts und rings kann man nicht fellwächsern.

Welch ein Irrtum.

Das ist ein Lyriker, der.

Nur das L mit dem R vertauscht hat, mehr nicht.

8:54

Das ist sparsam.

Gerade die Ökonomen, unter Ihnen das Problem mit diesem Gedicht ist er hat es Lichtung genannt.

Ich habe ihn mal gefragt.

Was hat das mit dem mit der Lichtung zu tun?

9:09

Hat es was mit der Dichtung, also ist es sozusagen doch nur das L mit dem R?

Dann wäre es Richtung, das wäre der Inhalt, ist es vielleicht doch die Dichtung, da war ich noch jung und naiv, es war in Bremen.

Jandl hatte die Angelegenheit sich bei Lesungen derart zu besaufen, dass er nur milde gelächelt hat.

9:26

Ich weiß es bis heute nicht, was mit diesem Titel gemeint war.

9:31

Sprecher*in 3

Während Jandls Intention sein Geheimnis bleibt, hat Robert Walser jedenfalls diese Richtung vorgegeben.

Man soll liebevoll mit seinen Fehlern umgehen.

9:41

Sprecher*in 1

Radio Vorarlberg Focus

9:43

Sprecher*in 2

Themen fürs Leben

9:45

Sprecher*in 3

in Focus spricht heute Soziologe und Psychologe Theo Wehner von der ETH Zürich über Scheitern und über Fehler.

Denn aus Fehlern lernt man bekanntermaßen.

Zunächst gibt Professor Wehner einen Überblick über seinen Vortrag.

9:58

Sprecher*in 1

Die Begriffe.

Die wir uns von den Dingen machen, das ist Brecht nicht.

Wörtlich sind die Griffe, mit denen wir sie verändern, und ich habe mich viel mit Fehlern beschäftigt und würde gerne auf eine Begriffsunterscheidung, nämlich zwischen Fehler und Irrtum, nachher unbedingt aufmerksam machen, dass Fehler und scheitern Thema, und da bin ich dann doch Psychologe, handelt vom Handeln, also wir werden uns ein wenig mit dem Handeln beschäftigen müssen.

10:25

Mit dem Fehlhandeln und aber auch mit dem Handeln an sich.

Fehlerfreundlichkeit ist eigentlich das Prinzip, dass ich propagiere.

Es kommt von Christine und Ernst Ulrich von Weizsäcker aus in den 70er Jahren war ich Student entwickelt worden, aus der Biologie kommend und.

10:47

Verlangt eigentlich, dass wir mit unseren Fehlern nicht tolerant Fehlertoleranz, sondern dass wir mit den Fehlern freundlich umgehen.

Was meint das und wie?

Lässt es sich dann bewirtschaften?

Das war unser Thema in der Forschung, jetzt werden sie fragen und was ist mit dem Lernen?

11:05

Sie hatten es sogar erwähnt, aus Fehlern, lernt man, habe ich tausendmal gehört, wenn man keine Schuldigen findet, dann sollten sie immer auch diesen Spruch noch parat haben, in tiefer Resignation wird das vorgetragen, aus Fehlern lernt man, ich frage mich aus was denn sonst?

11:23

Wir wissen in der Psychologie viel übers Lernen.

Wir wissen so gut wie nichts, warum wir nicht lernen.

Sie haben tagtäglich Hunderte von Gelegenheiten.

Wo sie lernen könnten?

Sie tun es nicht.

Also von daher ist das lernen schon ein extra Thema, mit dem man sich gerade dann eben auch beim Scheitern beschäftigen muss.

11:44

Und das würde den sozusagen ne verkürzte Ausgangsthese für den Vortrag bedeuten können.

Wer vom Fehler, vom Irrtum von Scheitererfahrungen spricht, der spricht immer auch vom Handeln.

Dann kann man sich Fragen, von was handelt eigentlich das Handeln?

12:01

Das ist die Idee, die danach kommt.

Handeln handelt vom Lernen, von nichts anderem, von Erfahrungsbildung.

Ob Sie die bewusst.

Ins oder über Instruktionen lernen oder Inzidenziell im Vorbeigehen.

12:18

Wir lernen sehr, sehr viel einfach im Vorbeigehen, indem es nicht instruiert wird.

Durch Modelllernen haben wir viel gelernt und das spielt beim Scheitern eine ziemliche Rolle.

Und natürlich die Erfahrungsbildung will sie mit wenig, aber doch mit 2 Modellen 1 aus der Psychologie, was weltweit die größte Anerkennung finden würde bei unterschiedlichsten Kollegen.

12:44

Wie soll man sich menschliches Handeln vorstellen und dann ein zweites aus.

Der Physiologie, was auch eine lange, lange Tradition hat und bestens untersucht ist.

Wir sind nicht reflexgesteuerte Wesen, wir haben noch welche, wir sind auch nicht in allen Situationen intuitive Wesen, wir produzieren Bedürfnisse, Wir nehmen Bedürfnisse wahr und haben Wünsche, und die Führen dazu, dass wir Wunschziele entwickeln.

13:17

So wie sie ein Bedürfnis haben, sind wir in der Lage.

Zu sehen, wie es befriedigt werden könnte.

Dass der Mittelpart aber was zum Ende steht, das heißt, der ganze Mittelteil, das ist gute Psychologie.

Wenn es nicht Automatismen sind, dann greifen wir auf mentale Modelle zurück, also auf unsere Erfahrung, auf das, was wir gelernt haben oder auch nicht gelernt haben.

13:42

Das kommt zu Handlungen und es wird ein Ziel erreicht.

Dieses erreichte Ziel ist mit hoher Wahrscheinlichkeit, je genauer sie hinschauen, nicht das Wunschziel.

Sondern es gibt ganz sicher ne Differenz.

Zurückgemeldet wird aber immer das erreichte Ziel.

14:01

Und diese Differenz ist es, in der letztlich das Lernpotenzial liegt.

Sie können, wenn sie diese Differenzen Stück auseinandernehmen, eventuell müssen Sie ihre Handlungen verbessern, mehr üben, sich bessere Informationen beschaffen, oder sie müssen sogar ihr mentales Modell von Urlaub, von Liebe, von Autokauf oder von was auch immer korrigieren.

14:26

Das wären die Aufforderungen, die sie haben, wenn sie Bedürfnis und Wunschziel und die dazwischen liegende Differenz sinnvoll verarbeiten wollen.

14:37

Sprecher*in 3

Vom Lernen war nun die Rede.

Aber aus welchen Fehlern lernt man denn nun gut aus denen der anderen oder aus den eigenen?

14:46

Sprecher*in 1

Was fällt Ihnen leichter aus den eigenen Fehlern zu lernen oder aus denen die anderen, also sie können gar nicht alle Fehler machen, deshalb lassen Sie ruhig auch noch was für andere übrig, also das ist schon, das ist schon sehr wichtig.

Das wirklich psychologisch interessant.

15:01

Viele können schwerer aus den Fehlern von anderen lernen.

Weil sie denken, ja, guck dir das an, das konnte ja nicht gut gehen.

Das ist zu selbstwertdienlich wenn wir in dem anderen nicht doch auch das, was wir Sympathie nennen, aufbringen.

15:22

Sympathie als Mitleiden also, der den den Fehler gemacht hat, für den auch einen gewissen Pathos zu haben.

Dann kann ich daraus lernen, wenn ich sehr wohl auch sehe, er wird sich geärgert haben oder es wird ihn gekränkt haben, dass ihm das passiert ist.

15:37

Und so weiter.

Dann kann ich daraus lernen, aber wenn ich doch zu schnell, und das scheinen viele von uns so zu haben, so, ja, das würde uns nicht passieren, hab viele viele Fehler mit Medizinern analysiert und es gibt dort sowas wie die Möglichkeit.

15:56

Critical, also kritische Ereignisse zu beschreiben, die die Anästhesie ist Meistergültig in dem Bereich sehr, sehr früh.

Diese Critical Incident Reports aufgestellt, kann man daraus lernen und ich habe manche moderiert da.

16:12

Wird viel zu schnell gesagt, könnte bei uns nicht passieren und damit ist schon vorbei.

Können Sie die Sitzung schon schließen?

Und können es vielleicht provozieren.

Aus den eigenen Fehlern dafür gibt es den Simulator in der Medizin, also Anästhesisten der heutigen Zeit, stehen alle nicht nur im OP, sondern auch am Simulator und üben dort, was der Simulatorfahrer, die Simulatorfahrerin an Fehlermöglichkeiten produziert.

16:42

Schiffssimulatoren Flugsimulatoren, da haben wir viele Studien gemacht, daraus lässt sich lernen und da.

Lässt man nicht jemanden in einem Flugsimulator immer mal gegen irgendein Gebirge oder irgendwann abstürzen?

Man lässt ihn genau nicht abstürzen, sondern man bringt ihn soweit an die Grenze, bis der Simulatorfahrer abbricht und sagt, der nächste Schritt wäre der Absturz.

17:05

Daraus kann gelernt werden, wie viele Emotionen müssen sie erzeugt haben, wäre eine dieser Antworten, um wirklich etwas zu lernen, und das ist nicht eine Trennung, Kognition und Emotion, das ist wie eine Doppelhelix, wie ist das zusammen und es braucht Emotionen, die sind beim eigenen Fehler vielleicht zu stark.

17:23

Dann lerne ich nicht direkt aus dem Fehler.

Bei dem anderen sind sie vielleicht zu schwach, weil ich denke, es ist eh ein Trottel gewesen.

Was soll da auch schon rauskommen?

17:52

Sprecher*in 3

Wo nehme ich meine ganze Kraft her, wenn das Scheitern nicht wär, hat Uta Kybernik gesungen.

Im Fokus spricht heute Soziologe, Psychologe und Arbeitswissenschaftler Theo Wehner von der ETH Zürich darüber, was man aus Scheitererfahrungen macht.

18:08

Wir Menschen handeln jedenfalls ständig unter Unsicherheit und es gibt ganz viele Fehlerquellen.

18:14

Sprecher*in 1

Wir sind Wesen, die.

Selektiv wahrnehmen.

Wir sind in der Lage, sehr, sehr vieles auszublenden.

Ob das dann richtig war, was wir ausgeblendet haben und ob es richtig war, das, was wir wahrgenommen haben, zum Ziel führt, das ist ja unser Thema für heute.

18:34

Das lässt sich so leicht nicht sagen.

Durch Umwelt, Auge, Hand, Ohr, Auge, haut, vielleicht auch den siebten Sinn strömen ständig Informationen auf uns ein.

Die Treffen auf die sensorischen Programme, also die der Wahrnehmung und die der Motorik, nämlich des Handelns selbst.

18:55

Und dazwischen liegt ein Riesenberg von Erfahrung et cetera.

Ich will sie eigentlich nur auf die 3 Zahlen aufmerksam machen. 10 hoch 9 Bit pro Sekunde nehmen Sie wahr.

Die komprimieren wir auf 10 hoch 2.

19:14

Das ist dieser Flaschenhals, das ist eine Reduktion von einmal 10 hoch 7.

Wenn Sie so einen Taschenrechner haben, schauen Sie sich nochmal an, wie lang diese Zahl ist.

Also wir sind Meister.

Im Filtern.

Von dem, was wir glauben, dass es im Moment nicht wichtig sei.

19:34

Was aber vielleicht im Laufe der Handlungen wichtig wird.

Interessant dann noch, dass mit diesen 10 noch 2 bit die motorischen Programme.

Unter Hinzunahme des Speichers und der gesamten Steuerung wieder mit 10 hoch 7 bit antworten.

19:53

Das heißt, wir schmeißen erst viel weg.

Und dann nehmen wir viel aus unserem Speicher und damit wird gehandelt, dass ein solches Wesen, ein solcher Mechanismus, wie auch immer wir das jetzt bezeichnen.

20:09

Fehleranfällig ist, das, ist ziemlich klar.

Und ob sich das in den nächsten paar 100000000 Jahren auswendelt, da ist man sich nicht sicher.

Das hat auf jeden Fall dazu geführt, dass wir mit die einzigen Lebewesen sind, die eine solche starke Komprimierung von Umweltreizen machen können, das können sich viele Tiere nicht erlauben, wir könnten.

20:34

Einzelhandlungen verrichten machen wir eigentlich auch nicht.

Wir könnten zum Beispiel frühstücken, ohne Zeitung zu lesen, ohne gleichzeitig Radio zu hören und auch zu gucken, was in der Inbox schon ankommt.

Wir könnten uns das erlauben, viele Tiere können sich das nicht erlauben, wir nennen das auch nicht Frühstück, wenn sie morgens anfangen, aber wir könnten das und tun es genau nicht.

20:54

Das liegt nur daran, weil wir vermuten, dass unsere Filter tatsächlich Handlungs adäquat und nicht täuschbar sind.

Ja, soweit zumindest zu den Modellen.

Das würde bedeuten, wenn man das jetzt zusammenfasst.

21:12

Dass in unseren Lebenswelten und Berufswelten.

Eigentlich handeln unter Unsicherheit.

Das ist, was am häufigsten von uns verlangt wird.

Und Handeln an der Unsicherheit.

21:27

Dazu gehört.

Ein virtuoser, ein liebevoller, ein heiterer Umgang mit unerwarteten Ereignissen.

Was Ihnen gewünscht sei, sie sollten zu jenen gehören, die alles erwarten und nicht enttäuscht werden können.

21:46

Das erstere ist mir gelungen.

Also der Aufruf, nehmen Sie das Unbewahrt, das Unerwartete wahr, nehmen Sie es nicht einfach hin, sondern im angelsächsischen würde man sagen, umarmen sie embrace the un expected.

22:05

Also dass das Unerwartete, damit habe ich nicht gerechnet.

Ist etwas, was sie freudig ausrufen sollten und nicht, damit habe ich nicht gerechnet.

Diese Geste ist die falsche.

22:19

Sprecher*in 3

Multitasking ist eine ganz große Fehlerquelle.

Und obwohl der Mensch darauf verzichten könnte, ist genau dieses Phänomen mittlerweile überall zu sehen.

Professor Theo Wehner wird das Scheitern nun erstmal definieren.

22:34

Sprecher*in 1

Arther Bloch hat das Mörfische Gesetz noch mal aufgeschrieben.

Und sie kennen es eventuell alles, was schief gehen kann, geht schief, alles, was nicht schief geht, geht auch schief und ich hab immer noch den dritten Satz, was dann noch nicht schief gegangen ist, wäre besser auch schief gegangen.

22:56

In der Definition muss man Kinder fragen, das hab ich oft gemacht.

Philosophen haben das noch häufiger gemacht, sehr, sehr schön, hab oft in Kindergärten mir angeschaut, was Kinder eigentlich von Fehlern und was ein Fehler dort ist.

Wenn das der kleine Holzturm zusammenfällt, dann gibt’s welche die brüllen Zähler und Mordio und andere machen daraus eine Eisenbahn und Spielen weiter, die waren schätzungsweise schon in einem solchen Montagsforum.

23:24

Im Torgau 175 Jahre Volksschule und dort hat man die Schülerinnen und Schüler gebeten, sie mögen etwas zeichnen, etwas aufschreiben über den Fehler.

Dieser Junge 11 Jahre ein Mensch macht Fehler, wenn er keine machen will.

23:41

Das ist gute Psychologie, das ist wirklich gute Psychologie, einer der wirklichen Päpste sozusagen.

Des Fehlers des Jim Reason aus Manchester.

Human error means that now thing has been done witch was not intended.

24:00

Bei Viktor, das ist eigentlich die Übersetzung vom Akteur, nicht beabsichtigt.

Überall, wo wir Definitionen davon finden, egal in welchen Sprachen, ist dieses Moment, wenn es Psychologen angeht, das Entscheidende.

Es ist eine nicht geplante, eine nicht gewollte und eine nicht intendierte Handlung, das brauchen wir für die Definition ganz.

24:25

Am Anfang.

24:26

Sprecher*in 3

Weiters gilt es, zwischen einem Fehler und einem Irrtum zu unterscheiden.

24:31

Sprecher*in 1

In Fehler begegnen uns Zielverfehlungen, und zwar wider besseren Wissens und Könnens.

Der Irrtum verweist auf fehlende Handlungsvoraussetzungen sie Handeln der Unend.

Liche Wille, so hat es.

24:47

So hat es Nietzsche noch ausgedrückt.

Und das wollen geht über den möglichen und kompetenten Geist hinaus.

Das ist der Irrtum.

Sie handeln zu einem Zeitpunkt, wo vielleicht handeln verlangt wird, aber nicht alle Informationen zur Verfügung stehen, und das war das Managing Lionxpected.

25:08

Haben wir zu irgendeiner Sache immer die vollständige Information und das vollständige Wissen?

Ganz sicher nicht, sie hätten wenig zu tun.

Wenn sie danach nach dieser Maxime handeln würden, also, und das Schöne ist noch, man macht einen Fehler im Deutschen, haben wir das wirklich schon in der Grammatik und man befindet sich im Irrtum.

25:31

Der Irrtum, das ist auch philosophisch noch interessant, kennt kein Präsens.

Sie können zwar sagen, ich irre mich jetzt.

Was wäre das aber damit sagen sie ja, dass sie sowohl wissen, was richtig als auch gleichzeitig wissen, was falsch ist und sie nun sich irren.

25:53

Das ist die Ankündigung einer Lüge.

Und die Lüge ist zwar nicht gemein, sondern allgemein, aber man kündigt sie nicht an.

Selbst Trump tut das nicht.

Ja, soweit zumindest zu dieser Unterscheidung.

26:08

Und das wäre mir wertvoll, wenn sie.

Über dieses Forum hinaus diesen Unterschied immer mal machen zwischen Fehler und Irrtum hab ich n Fehler gemacht oder war ich im Irrtum?

Was ist das für ein blöder Fehler, oder was ist das für ein Irrtum?

26:25

Im Irrtum gehen sie viel freundlicher schon um, als mit den Fehlern.

Ja, soweit zumindest das Definitorische, der Duden.

Und da muss man dann sagen, da ist ist doch ein bürokratisches und technokratisches Werkzeug, wenn sie das Synonym Wörterbuch aufschlagen, dann sehen Sie Irrtum, da steht Fehler als Synonym, beim Fehler steht Irrtum die.

26:50

Machen keinen Unterschied.

Ich habe lange mit der Duden Redaktion bin ich im Gespräch, aber.

Da braucht es noch 87 Ausgaben, bis das erledigt ist.

Nicht antizipierte Ereignisse.

Das, was sie nicht vorweggenommen haben, das führt zur Fehlleistung oder eben zur Zielverfehlung in unserer Sprache eigentlich ganz gut.

27:14

Sprecher*in 3

Professor Theo Mehner ist seit mehreren Jahren auch als Kurator von Themenausstellungen tätig.

Auch eine Ausstellung über das Scheitern hat er in der Schweiz kuratiert.

27:23

Sprecher*in 1

Und.

Das war damals der Titel, ein Knacks im Leben, ein.

Schönes Wort mit diesem Knacks.

Und in dem Jahr, kurz vor der Vernissage, starb Leonard Cohen und bei ihm gibt es einen sehr schönen Song an Sam.

27:41

Vielleicht kennen manche ihn Where is the Crack in everything, that’s how a light get s in der ganze Refrain.

Leute, die Glocken, die noch klingen.

Vergiss deine wohlfeilen Gaben, da ist ein Riss ein Knacks in allem, das ist die Möglichkeit, das Licht sozusagen in uns hinauskommt, ist ein sehr, sehr schöner Song.

28:06

Wenn Sie sich den noch mal anhören.

28:10

Sprecher*in 2

Radio Vorarlberg Focus Themen fürs Leben mit Georg Fabian

28:17

Sprecher*in 1

Was?

28:20

Sprecher*in 3

Im Fokus geht es heute ums Scheitern und um die Lehren, die man daraus zieht.

Professor Theo Wehner von der ETH Zürich kommt nun auf einen Spruch zu sprechen, der von Samuel Beckett stammt und der übersetzt in etwa so lautet immer versucht, immer gescheitert, egal, wieder versuchen, wieder scheitern, besser scheitern, ein Motto, das sich mittlerweile sogar ein prominenter Sportler.

28:46

An sichtbarer Stelle tätowieren ließ.

28:48

Sprecher*in 1

Them Beckett hat in dem Jahr seinen ersten Text veröffentlicht.

Habe dieses Werk geschrieben, ist schon ein schöner Titel, The Worst Ward who also ein Ausruf und dort drin die Passage.

29:04

Alles seit je nie was anderes.

Everdride everfailed no matter tri again, Fehler gehen feel better.

Das ist für einen Künstler die richtige Herausforderung.

29:20

Ich weiß nicht, ob sie diesen Unterarm kennen.

Ein großer Sportler kennen sie nicht, sie schauen eher auf seinen Tennisschläger, den er halt hat, ist Wavrinka, der sich das hat tätowieren lassen.

29:36

Ich glaube, das ist ein Irrtum.

Ein weltklasse Spieler geht nicht auf den Court und sagt Ever Try everfield Scheiß drauf try again fehle gehen fehl better.

Der Künstler kennt die Möglichkeit, dass Kunst nie ultimativ und das letzte ist.

29:58

Beckett war jemand, dass wenn er gelobt wurde, schriftlich oder mündlich sagte, immer das Beste kommt noch.

Diesen Schutz braucht der Künstler.

Und eben deswegen liegt der Akzent hier auf dem Everdride, dem immer wieder dem Versuch, das, was wir tun, sind, versuche vielleicht auch auf dem Tenniscourt.

30:22

Sprecher*in 3

Wer erfolgreich ist, auch im Sport, muss aber nicht vorher gescheitert sein.

Man kann auch scheitern lernen, aber ohne Erfolgsgarantie, was?

Aber ist nun dieses Scheitern?

30:33

Sprecher*in 1

Das Scheitern nochmal neben dem Irrtum und dem Fehler müssen wir ein Stück anders definieren, auch wenn in Scheitern natürlich Handlungen vorkommen.

Da haben wir zurzeit eher das Scheitern.

Zum Statussymbol.

Wird gescheitert durchs Scheitern angeblich.

30:52

All das sind Überhöhungen, vielleicht auch wirklich heroische Betrachtungen.

Scheitern tut weh, ohne Zweifel, und wenn man sich empirisch umschaut, dann kann man deutlich diese 3 Aussagen machen.

31:08

Wer erfolgreich ist, muss früher nicht gescheitert sein.

Das schon mal wichtig, aber bei all denen, die glauben.

Durch Scheitern, nur durch Scheitern wird man gescheitert.

Man kann aus Scheitern lernen, aber ohne Erfolgsgarantie.

Ich habe Personen interviewt, die dreimaligen Konkurs gegangen sind.

31:27

Ein guter Kollege, ein medizinischer Psychologe.

Aus der Mann Familie hat sich dreimal scheiden lassen und zweimal die gleiche Frau wieder geheiratet.

Das sind Herausforderungen.

31:42

Und da sehen Sie, dass Erfolgsgarantien da nicht zu machen sind, was es braucht beim Scheitern viel, viel stärker als bei einem Fehler oder Irrtum, ist eine Fähigkeit zur Selbstreflexion, und zwar zur Selbstreflexion, nicht nur zur Reflexion oder zur Absolution von anderen, sondern sie selbst müssen es als gescheitert sein, ansehen, sie dürfen sich dabei nicht als Opfer fühlen.

32:09

Und dann eine Ausrichtung.

Das Wiederaufstehen war schon erwähnt und dann das weitermachen ja, also soviel zumindest zum Beginn.

Was ist der Gegensatz eigentlich vom Scheitern, vom Scheitern?

32:27

Erfolg habe ich schon gehört.

Das Gegenteil vom Erfolg ist der Misserfolg.

Also das Scheitern ist noch stärker.

Eigentlich.

In Deutschland haben wir ne.

Was würden Sie sagen?

32:43

Gelingen, das ist ein schönes deutsches Wort, das ist es fast nicht zu übersetzen, wenn sie ein Gericht gemacht haben, was gut ist, das hab ich völlig an an das Rezept gehalten.

Auf die Produkte waren gut, dann kann es gelungen sein.

Diesmal ist es gelungen, die Gäste merken es vielleicht gar nicht, mag Wein gelegen haben oder wo ist sonst dran, aber für sie war das gelungen und.

33:08

Diese, diese Spitze.

Eigentlich ist das Gegenteil von Scheitern der Vollkommnung, wenn man es noch stärker gewichtet.

Also das und warum es das nicht gibt, zumindest in unserer Sprache nicht, ist eigentlich schon interessant und das gelingen ist was anderes als das Well done oder well prepared.

33:25

Das ist ist wirklich was anderes, ist ne Steigerung.

Das stimmt.

Wenn man definiert, dann muss man sozusagen als erstes ne Vorstellung haben.

Wie könnte das gelingen?

Das sagen Sie noch oft, wie kann das jetzt gelingen, dieses oder jenes oder dieses, das ist eigentlich die richtige Aufnahme, nicht wir können nicht wir das erreichen, das ist schon viel profaner, sondern wie könnte das gelingen, es braucht Kenntnisse und Fähigkeiten dazu, ich wollte ein Beispiel nehmen aus der Geschichte.

33:56

Das ist der Schneider aus Ulm.

Deutschland ist er sehr bekannt, dieser Schneider hat um 1800 als Schneider.

Sich damit beschäftigt.

Er hat immer wieder beobachtet, wie Stoffe über dem Ofen aufgehängt sich bewegten.

34:12

Das daraus ist der Ballon dann entstanden und er hatte eine Idee, eigentlich den Gleitflug zu erfinden, also nicht nur den Ballon, sondern den Gleitflug, und baute sich Flügel und übte am Donauufer vor der Stadt.

34:29

Es war die Zeit 1811, glaube ich dann, als Württemberg zu Bayern kam.

Und da kam der bayerische König nach Ulm und man wollte ihm diesen Schneider vorführen, der eben dieses Fluggerät hatte.

34:45

Berblinger hat vor den Toren Ulms auch immer schon Sprünge von 4,70 m sind vermerkt und 3,30 m auch wieder, also er ist er flog und das war zwar nicht die große Distanz, aber er war damit sich sicher, dass sein Gerät taugt.

35:05

Nun wusste der gar nichts von Thermik und er hat immer an den Donauufern geübt.

Den König wollte man nicht daraus locken, in den Matsch, also sollte in der Stadt.

Vorgeführt werden, darauf hat sich Berblinger tatsächlich eingelassen, und es ist desaströs geändert, weil in der Stadt auf diesen 13 Metern, auf denen er absprang, gab es fallwinde, und er fiel sozusagen mit seinem Gerät doppelt so schnell in die Donau, als wenn er nur gesprungen wäre.

35:38

Das hat dazu geführt, dass er aus der Schneiderzunft sofort verwiesen wurde.

Die Einfuhr von Bambus wurde verboten.

In Bayern und Württemberg.

Er starb völlig verarmt und gekränkt, tief gekränkt.

35:54

Es gibt Aufzeichnungen von ihm, dass er, er hat es bis zu seinem Tod auch nicht verstanden, dass Fallwinde und Thermik, wie das zusammenhängt.

36:03

Sprecher*in 3

Um aus dem Scheitern gescheitert zu werden, braucht es die Fähigkeit.

Selbstreflexion, hat Psychologe und Arbeitswissenschaftler Theo Wehner gesagt.

In Zeiten des Schneiders von Ulm gab es freilich noch keine sogenannten Fuck Up Nights, wie sie etwa in Dornbirn am Spielboot stattfinden.

36:20

Dort soll mit viel Witz der berufliche Misserfolg zelebriert werden, Prof.

Theo Wehner hält das nicht gerade für eine gute Verarbeitung.

36:29

Sprecher*in 1

Ich fange den Fuck up Nights an.

Sie sind in Südamerika, wo das F Wort eigentlich noch kritischer gesehen wird als in Amerika oder in Europa, dort sind sie eigentlich geboren worden und es hatte etwas mit dieser Tabuisierung von Scheitern zu tun, dem wollte man sozusagen die Stirn bieten und sagen, Wir brauchen Personen, die sich vorne hinstellen und sagen, das habe ich gegen die Wand gefahren.

36:54

Als Psychologe würde ich sagen, wenn der auf die Bühne geht, braucht er sehr, sehr viel Selbstwert, sehr, sehr viel Präsenz, aber auch selbstwertdienliche Äußerungen.

Und wenn der von der Bühne runterkommt, ist nicht sozusagen die Katharsis geschehen, die Aufarbeitung?

37:12

Ich hab Personen interviewen können, die in einer solchen Fuck up Night waren.

Die sind nachher.

Trauriger als vorher.

Sie sind und Sie haben Applaus bekommen für das, was sie gemacht haben.

37:29

Und das zeigt mir, dass die Verarbeitung des Scheiterns.

Nicht sich eignet für Public Viewing.

Wann das möglich wäre, das kann man sehen.

Oder für wen das möglich wäre.

37:44

Aber wenn der Betroffene nicht wirklich selbst reflexiv damit umgegangen ist, dann würde ich ihm diese Bühne nicht wünschen.

37:52

Sprecher*in 3

Es gibt abgesehen vom Schneider von Ulm noch viele Figuren, die für das Scheitern stehen, etwa in der Literatur man den Kern Ikarus und das Scheitern hat sogar eine Farbe.

38:03

Sprecher*in 1

Welche Farbe hat das Scheitern?

Wenn man fragt, sind viele der Meinung, es sei eine dunkle Farbe, wenn Struwwelpeter das Buch schlechthin und auch die Simpsons landen bei gelb und es ist in der Tat so.

Dass Personen, die sich mit den Farben von Phänomenen beschäftigen, bei dem Scheitern auf Gelb kommen, was immer sie dazu im Kopf haben, das nur wenigstens zum Rande hin.

38:29

Was ist das Sinnbild des Scheiterns, hat man lange gesucht.

War ja sozusagen.

Sinnbildlich der Scheiterer par excellence.

Das ist der Clown.

38:44

Und hier haben Sie ihn mit Dimitri.

Er kommt schon mit viel zu großen Schuhen auf die Bühne.

Er trägt diese rote Nase, er hat seine Tränen.

Dimitri hat sich immer selbst geschminkt, war immer selbst, musste selbst in diese Rolle wechseln, so dass das Scheitern mit liebevoller, humoriger Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird.

39:08

Das ist das eigentlich das Sinnbild des Scheiterns, und mir geht es selbst so.

Am stärksten wirkt der Clown, wenn er die Bühne verlässt und wie ihn von hinten sehen.

Dann sind es nicht mehr die Scherze, sondern dann ist es das, was uns geblieben ist in seiner Vorführung.

39:24

Er war natürlich ein großer Meister gerade.

Was die Musik anbelangt, wer sind die vermeintlich größten Scheiterer?

Was wird in der Literatur immer immer wieder genannt?

Philosophen, Psychologen, Soziologen, egal wen man gelesen hat, habe stapelweise gesammelt, einer, der immer wieder kommt, vorkommt, ist Odysseus, das ist ein Irrtum.

39:48

Odysseus wollte weder.

Nach Troja.

Er wollte zurück zu Penelope, das war sein, und er hatte Scheitererfahrungen, die Masse selbstverständlich.

Er ließ sich an den Mast binden, damit er den Sirenen nicht also widerstehen kann.

40:05

Selbstverständlich kam er mit viel Scheitererfahrung zurück, aber er ist kein Gescheiterer, aber gescheiter geworden ist, das kennen sie vom Ausgang.

Sisyphus, der zweite, der immer wieder genannt wird.

Sisyphus hat seine Strafe angenommen, er hatte die Götter gezürnt er ist zweimal sozusagen dem Tod entgangen, und deshalb hatte er die Aufgabe, diesen Stein hochzuwälzen er fiel runter, wir müssen uns sisyphus glücklich vorstellen, so sagt Camus in seinen letzten Sätzen, er hat seine seine Strafe angenommen, und der Stein war das, was ihm ermöglichte, überhaupt wieder in dieser Welt weiter zu existieren.

40:46

Don Quijote wird dann auch immer ebenfalls immer wieder genannt.

Menton.

Quichotte, egal welchen Vorteil.

Fauxpas er begangen hatte, wenn er noch im Graben lag, hatte er eine neue Idee.

Don Quichotte ist der Meister des Anfangs und nicht des Scheiterns, also für ihn ist das anfangen das weiter, also noch im Fall, wo es immer wie es weitergeht.

41:10

Sprecher*in 3

Zu wissen, wie es weitergeht, das ist auch ein Lernen aus Fehlern.

Da sind wir wieder bei der Fehlerkultur seit den 1970er Jahren gibt es die sogenannte Fehlerfreundlichkeit.

Eine positiv belegte Fehlerkultur dabei sollte nicht der Einzelne im Mittelpunkt stehen.

41:26

Es muss vielmehr auf allen Ebenen der Gesellschaft gearbeitet werden.

In einem fehlerfreundlichen Milieu lernt man unter anderem neue Handlungsalternativen kennen und kann Gewohnheiten verändern, erklärt Professor Wehner.

41:39

Sprecher*in 1

Ich komme zur Fehlerfreundlichkeit, gebe Ihnen nur die Zusammenfassung.

Was ist fehlerfreundlich?

An was wurde damals in den 70er Jahren technologiefolgeabschätzung war der Auslöser, darüber nachzudenken, was fehlerfreundlichkeit sein könnte.

41:55

Das ist Christine von Weizsäcker eigentlich gewesen, die biologische Biologin.

Und.

Es wird, wenn ich es zusammenfassen würde, auch die Diskussion, die mir mit Cornwachs und vielen anderen aus dieser Zeit noch in guter Erinnerung ist.

Es ist eine optimistische, eine aufklärerische Haltung, Hinwendung zum und nicht eine Abwendung vom Fehler.

42:18

Es ist die Enttabuisierung, das zweite Moment ist, dass die Wirksamkeit eines Prinzips der Handlungskontrolle der, der einen Fehler gemacht hat, der, der sich geirrt hat, der, der gescheitert ist, braucht Handlungsautonomie.

42:34

Dass er diesen Fehler auch wieder reparieren kann.

Das ist bei einem Kernkraftwerk bei einem Gau nicht mehr möglich.

Auch uns als Kollektiv nicht.

Und das dritte Moment ist, es muss Aneignungschancen im Fehler muss und das war auch der Ductus in meinem Vortrag, und das ist auch der Ductus der anderen Vorträge, wir wollen, dass daraus was produktives entsteht.

42:58

Das tut es nicht einfach so.

Da können Sie sicher sein und es muss sozusagen meine Erfahrung zumindest bereichern.

Enttabuisierung, Autonomie, Kompetenzerweiterung, darum geht es, und damit werde ich schließen.

Und kommen zu einem letzten Dichter in Liebig Gernhardt.

43:19

Ja, leider auch zu viel Alkohol und damit zu früh tot.

So liege ich hier und denke mir mein Teil zu manchen Dingen nicht, alles muss gelingen, du musst nicht immer bringen, du musst nicht immer siegen, nur lass dir 1 Beibiegen beim auf der Nase liegen gib bitte nicht den Heitern.

43:41

Versagt nicht auch beim Scheitern?

Damit ist sozusagen von Michaux zu gern, hat einen Bogen geschlagen, der eine Surrealist, der andere absoluter Trinkfester Realist.

Ich danke Ihnen eine gute Zeit für das ganze Forum wünsche ich Ihnen alles Gute.

44:05

Sprecher*in 3

Nur diejenigen, die sich trauen, in großem Stil zu scheitern, können auch in großem Stil Erfolg haben.

Das sagte der amerikanische Senator Robert F.

Kennedy, der Bruder von John F.

Kennedy, der Meridierte Professor der ETH Zürich, Theo Wehner, rät Folgendes.

44:23

Ob Fehler, Irrtum oder scheitern, fragen Sie danach, warum hat es für mich Sinn gemacht, so zu handeln?

Wie ich gehandelt habe Selbstvorwürfe sind laut Theo Wehner genauso fehl am Platz wie eine heroische Haltung.

Der Vortrag wurde bei Montagsforum in St.

44:39

Gallen aufgezeichnet, sie können die Sendung auch jederzeit als Podcast nachhören.

Mein Name ist Georg Fabian.

Leistungsdruck und die fehlende Kultur des Scheiterns

Dass Scheitern so belastend wirkt, hat auch mit gesellschaftlichen Erwartungen zu tun. In einer Leistungsgesellschaft bleibt wenig Raum für Fehler. „Sie will, dass das, was zu leisten ist, geleistet wird, allenfalls noch perfektioniert“, sagt Wehner. Er plädiert deshalb für eine offenere Fehlerkultur: Hochschulen sollten Orte von Fehlertoleranz sein, Orte des Zweifelns, des Experimentierens und der Umwege, so der Experte. Auch Ossmann sieht hier ein strukturelles Problem: „Wir hören fast ausschließlich Erfolgsgeschichten.“

Ein Beispiel für eine positive Scheiterkultur liefert die Neurowissenschaftlerin Melanie Stefan, bereits 2010.  In der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte sie einen „Lebenslauf des Scheiterns“, in dem sie ihre beruflichen Misserfolge offenlegte. Ziel war es, sichtbar zu machen, „dass Rückschläge zu unserem Karriereweg gehören“, meint die Wissenschaftlerin in einem Interview mit dem Max-Delbrück-Center in Berlin.

Abschied aus der Wissenschaft  

Aus einer bewussten Entscheidung heraus kehrt Stefan Ossmann der Wissenschaft den Rücken zu. Ausschlaggebend dafür ist der Wunsch nach einem geregelten Leben, jenseits von prekären Arbeitsverhältnissen. Ist das Scheitern? „Für manche vielleicht“, sagt Ossmann. „Für mich ist es offen.“ Für den 46-Jährigen hat sich die Wahrnehmung von Erfolg in den letzten Jahren gewandelt. Auch wenn er die Arbeit in der Wissenschaft als wichtig und erfüllend empfindet, freut er sich auf den neuen Lebensabschnitt.